Blau-gelbe Flagge der Ukraine. Junge Ukraine. Die Themenliste.

Junge Ukraine – 12 Themen

Sie finden hier Themenvorschläge für Beiträge rund um die junge Ukraine. Die Themen beleuchten das Leben Jugendlicher und spiegeln gleichzeitig das "jugendliche Alter" der Ukraine – schließlich begeht die Ukraine, deren Schicksal so lange mit dem Russlands verbunden war, am 24. August erst ihren "14. Geburtstag" als unabhängiger Staat, erreicht also das Jugendlichenalter.


Sie kämpfen gegen Menschenhandel

Organisierter Menschenhandel ist ein besonders schmerzhaftes Problem der Ukraine. Zu seiner Bekämpfung haben sich verschiedene Nichtregierungsorganisationen zusammengeschlossen, die versuchen, durch gute Vernetzung untereinander und mit staatlichen Behörden das Problem effektiver zu lösen. In vielen dieser Organisationen spielen junge Leute eine tragende Rolle, in der Aufklärungsarbeit genau wie bei Verhandlungen mit internationalen Geldgebern. Wieso engagieren sich junge Leute in diesem Bereich, wie haben sie zu diesem Thema gefunden, wie gehen sie mit all den belastenden Einzelheiten um – und wie blicken sie aufs Ausland, auf die Zielländer des internationalen Menschenhandels?


60 Jahre nach Kriegsende – Patriotismus und Wehrpflicht

Wie sieht eigentlich das System der Wehrpflicht in der Ukraine aus? Sechzig Jahre nach dem Ende des "Großen Vaterländischen Krieges", wie der Zweite Weltkrieg in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion bezeichnet wird, hat sich die Ukraine in militärischer Hinsicht längst von Russland losgelöst, etwa durch die Teilnahme am Irakkrieg. Wie aber sieht die Situation innerhalb der Armee aus, insbesondere bei den jungen Wehrpflichtigen? Eine Aufgabe der neugegründeten staatlichen Jugendsozialzentren liegt in der Betreuung und Unterstützung junger Wehrpflichtiger – was sind ihre Erfahrungen?


Leben auf der Krim – als junger Tatare im Rollstuhl

Die Krim gilt als Inbegriff süßen Lebens, sowie ein solches innerhalb der ehemaligen Sowjetunion möglich war. Saur, ein junger Tatare, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt, verbindet in seiner Lebensgeschichte viele Element des Lebens in der postsowjetischen Ukraine: Selbständigkeit und die Unterstützung durch die mächtige Staatsleitung, Zusammenhalt der Familie und Kontakte zu kriminellen Kreisen, eine Identität, die geprägt ist durch russische, ukrainische und tatarische Einflüsse, durch Unterstützung und Diskriminierung, und schließlich eine optimistische Weltsicht gepaart mit Elan und großen Plänen. Sein Motto: "Ich kann alles außer Decke Tapezieren!"

Brain Drain - wenn die Besten gehen

Jedes Jahr verliert die Ukraine eine große Zahl fähiger, gut ausgebildeter und engagierter junger Leute ins Ausland, beispielsweise an ausländische Universitäten. Häufig sind es die besonders guten Studierenden eines Jahrgangs, diejenigen, die gute Qualifikationen mit großer Selbstständigkeit verbinden, die sich um ein Stipendium bewerben oder für ein Jahr als Au-pair ihre Sprache verbessern. Wenn sie sich im Anschluss für einen längeren Aufenthalt im Ausland entschieden, sich etwa für ein weiteres Studium bewerben, stehen sie der heimischen Universität nicht mehr zur Verfügung. Dort werden sie aber gebraucht, z. B. als Lehrkräfte im Unterricht der jüngeren Semester. Erst seit kurzem werden dieses Problem und seine Konsequenzen für die Ukraine systematisch erforscht.

Pfadfinderinnen - Mädchenverband in der Krisengesellschaft

In der unabhängigen Ukraine versuchen viele neuentstandene Jugendorganisationen, die Lücke zu füllen, die durch den Zerfall des kommunistischen Jugendverbandes Komsomol entstanden war. Einer von ihnen ist die "Assoziation Ukrainischer Pfadfinderinnen" (AUG), ein Zusammenschluss von Mädchen und jungen Frauen. Wie viele andere Jugendorganisationen ist auch diese in Kooperation mit ausländischen Organisationen entstanden. Das Besondere an der AUG – hier sind junge Frauen von Anfang Zwanzig für die Geschicke der Organisation verantwortlich. Sie planen die normale Jugendarbeit, engagieren sich jugendpolitisch und organisieren in Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen Sonderprojekte, z. B. zur reproduktiven Gesundheit. Und überraschenderweise ist dieser Mädchenverband innerhalb der patriarchalischen ukrainischen Krisengesellschaft durchaus erfolgreich.

Profi-Pop in der Jugendinitiative

Cernigiv ist in der ganzen Ukraine für das gleichnamige Bier bekannt. Von hier kommt aber auch ein ungewöhnlicher Verein, MozArt, der junge Sängerinnen und Sänger mit Interesse für Popmusik fördert. Verschiedene Gruppen, von der Boy-Group bis zur Mädchen-Combo, erhalten quasi-professionelle Unterstützung beim Entwickeln eines eigenen Profils. Professionell, das bedeutet hier, eine ernsthafte Beschäftigung mit allem, was für die Popmusik wichtig ist, vom Gesangs- und Tanzunterricht bis zum regelmäßigen Yoga, das für die innere Ausgeglichenheit wichtig ist.

Wir sind Teil Europas – auch im "russischen" Doneck

Die Millionenstadt Doneck, wirtschaftliches Zentrum der Ostukraine. Von hier aus wurde während der "Orangenen Revolution" der damalige Präsident Viktor Janukowitsch, der Gegenspieler des jetzigen amtierenden Präsidenten, unterstützt. Aus Sicht des Westens wird diese politische Unterstützung seitdem entweder als Folge medialer Manipulation, oder als Konsequenz geistiger Nähe zu Russland und geringer Wertschätzung demokratischer Errungenschaften gedeutet.

Die Jugendlichen, die in Doneck leben, können diese Sicht auf ihre Stadt und das damit verbundene Desinteresse kaum nachvollziehen. Auch hier sehen sich die jungen Leute teils ganz selbstverständlich als Teil Europas und diskutieren über die künftige Position der Ukraine innerhalb Europas.

Ludmilla am Computer – Autonomie für Jugendliche mit Behinderungen?

Der beinamputierte Invalide, der sich auf einem Rollbrett durch die Straßen bewegt – er galt vielen als Sinnbild sowjetischer Behindertenpolitik, genauer deren weitgehenden Fehlens. In der heutigen Ukraine gibt eine Reihe neuer Ansätze in der staatlichen Politik für Menschen mit Behinderungen, die etwa auch durch die Jugendsozialzentren gefördert werden sollen. Ludmilla ist eine junge Frau, die seit ihrer Geburt an zerebralen Lähmungen leidet. Heute studiert sie und unterstützt ehrenamtlich andere junge Leute in einem Jugendzentrum am Computer.


Straßenkinder. Selber tun

Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben, bilden eine besondere Herausforderung für Staat und Gesellschaft. Es existieren verschiedene Ansätze, ihnen zu lösen. Neben staatlichen Kinderheimen zielen verschiedene Initiativen von Privatleuten und NGOs, Nichtregierungsorganisationen, darauf ab, diese Kinder zu unterstützen und mit ihnen langfristige Perspektiven zu entwickeln. So nimmt in Odessa eine Frau jahrelang Straßenkinder in ihre Privatwohnung auf und bietet ihnen unter ärmlichsten Bedingungen eine neue Familie. Einen anderen Ansatz dagegen verfolgt die Caritas in der westukrainischen Stadt Ternopil, die jedes Straßenkind als Individuum in seinem aktuellen Lebensbereich, eben "auf der Straße" unterstützt.

Die Orangene Revolution – romantischer Höhepunkt oder Startpunkt einer Bewegung

Westukrainische Student/-innen antworteten zu Beginn des Jahres auf die Frage, was sie gegen einen bestimmten Missstand zu unternehmen gedächten, notfalls würden sie wieder auf die Straße gehen und demonstrieren.

Von der Bereitschaft zu demonstrieren bis zur langfristig wirksamen politischen Partizipation ist es ein weiter Weg. Wie sehen junge Ukrainer rückblickend die politischen Ereignisse rund um die "Orangene Revolution" und wie beeinflussen diese ihr heutiges Leben?

Das Land, in dem die Sekten blühen

Die gängige Vorstellung sieht die Westukraine als eher katholisch, alles andere dagegen als eher russisch-orthodox. Tatsächlich ist war bindende Rolle der orthodoxen Kirche gerade in der Ostukraine eher gering und nach dem Zerfall der Sowjetunion längst nicht geeignet, das weit verbreitete "Sinnvakuum" zu füllen. In dieses Vakuum strömte eine Vielzahl von Religionen, Sekten und obskuren Gemeinschaften, so dass heute die Situation im Osten der Ukraine durch eine fast unüberschaubare Vielfalt geprägt ist und harmlose Gemeinschaften neben psychisch gefährlichen Sekten existieren. In Dnipropetrovsk haben in einem Gebäude zwei völlig verschiedene Vereine ihren Sitz, die sich mit Fragen der psychischen Stabilisierung befassen: Die einen setzen auf präventive und kreative Arbeit zur Stärkung des Selbstbewusstseins junger Menschen, die anderen bieten Hilfe für Sektenopfern, also für diejenigen, die sich bereits verstrickt haben. Beide nennen sich: "Dialog".