Blau-gelbe Flagge der Ukraine. Junge Ukraine. Kurz und knapp.

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Zum Begriff "Jugend"

Im Folgenden wird der Begriff "Jugend" als Sammelbegriff für junge Menschen im Alter von 14 bis 28 Jahren verwandt. Diese Altersgrenze liegt in der Regel sowohl wissenschaftlichen Untersuchungen als auch staatlichen Maßnahmen zugrunde. So waren staatliche Jugendbehörden eben für diese Altersgruppe zuständig.

Zum März 2005 wurde die Altergrenze zwar auf 35 Jahre heraufgesetzt, die verfügbaren statistischen Daten beziehen sich jedoch alle noch auf die alte engere Definition.

Bevölkerungsentwicklung, Ehe, Familie, Abtreibung und Geburt

Trotz des allgemeinen Bevölkerungsrückganges nahm die Zahl der Jugendlichen von 1991 bis 2003 zu. Die Zunahme erfolgte sowohl in absoluten Zahlen, nämlich von 10,6 auf 10,9 Millionen, als auch in relativen Zahlen, also von 20,6% bis auf 23,0 % der gesamten Bevölkerung.

Von den 10,9 Millionen Jugendlichen zu Beginn des Jahres 2004 waren 5,5 Millionen oder 50,8% junge Männer und 5,3 Millionen bzw. 49,2% junge Frauen.

7,8 Millionen oder 71 % der Jugendlichen insgesamt leben in Städten.

Seit Beginn der staatlichen Souveränität sank die Bevölkerungszahl der Ukraine von 51,8 Millionen im Jahre 1992 auf 48,2 Millionen im Jahre 2004. Gründe für diese Entwicklung liegen vor allem in der höheren Sterblichkeits- und niedrigeren Geburtenrate, aber auch in der hohen Arbeitsmigration.

Ein Vergleich: Die Bevölkerung Deutschlands wächst jährlich um 0,02%, die Bevölkerung der Ukraine vermindert sich dagegen um jährlich 0,66%. Zwar liegt die Geburtenrate der Ukraine mit 10,21 Geburten auf Tausend Einwohner sogar über dem Wert der BRD (8,45 je 1000 EW), allerdings übersteigt die Sterblichkeitsrate mit 16,41 Todesfällen je 1000 EW den deutschen Wert von 10,44 Todesfällen je 1000 EW wesentlich stärker. Zudem hat Deutschland mit 2,18 Migrationen ins Land hinein auf 1000 EW einen besseren Wert als die Ukraine, wo jährlich auf 1000 EW 0,39 Migrationen aus dem Land hinaus stattfinden.

In der Ukraine kamen im Jahre 2003 auf je tausend Einwohner ca. 8 Geburten und 6 Abtreibungen. Bei insgesamt 408589 Geburten waren 138 Mütter jünger als 15 Jahre, 54290 waren im Alter von 15 bis 19 Jahren, weitere 163197 waren bis zu 24 Jahre alt und 113417 Mütter waren bis zu 29 Jahre alt. Es wurden also insgesamt 81% aller Kinder von jugendlichen Müttern geboren. Im Gesamtukrainischen Durchschnitt wurden 13,3% aller Kinder von jungen Frauen zur Welt gebracht, die noch nicht zwanzig waren.

Seit den 90er Jahren ist die Zahl der Abtreibungen stark gesunken, etwa für die Altersgruppe der 15-17jährigen von 33.939 im Jahre 1993 auf 8114 im Jahre 2002.

Auf drei junge Frauen unter 18 Jahren, die ein Kind zur Welt bringen, kommen im Landesdurchschnitt zwei Frauen oder Mädchen im selben Alter, die eine Abtreibung durchführen lassen. Dieses Verhältnis schwankt aber von der Westukraine, wo in dieser Altersgruppe durchschnittlich eine Abtreibung auf fünf Geburten durchgeführt wird, bis hin zu den russisch geprägten Regionen, etwa den Industriestädten im Zentrum bzw. im Osten des Landes oder der Krim im Süden, wo sich in diesem Alter die Zahl der Geburten und Abtreibungen ungefähr die Waage halten, während bezogen auf alle Altersgruppe sogar teilweise die Abtreibungszahlen deutlich die Geburtenzahlen übersteigen.

Familien werden in Ukraine in wesentlich früherem Alter gegründet als in Deutschland. Ein Großteil der Frauen bekommt ihr ersten Kind in den Zwanzigern. Der durchschnittliche Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes hat sich in den letzten Jahren weiter nach hinten geschoben, trotzdem ist der Druck auf junge Männer und Frauen, eine Familie zu gründen, schon in ihren Zwanzigern sehr hoch. Während jedoch in der Sowjetunion der Berufseinstieg im Anschluss an die Ausbildung über die zentrale "Verteilung" organisiert (und damit auch garantiert) war, fällt den jungen Leuten heute angesichts der hohen Arbeitslosigkeit der Berufseinstieg und die finanzielle Absicherung der Familie viel schwerer.

Ein Vergleich mit Deutschland zeigt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in der Ukraine mit 66,7 Jahren fast zwölf Jahre unter dem Wert für Deutschland (78,5 Jahre) liegt. Noch deutlicher unterschieden sich die Werte, wird nur die durchschnittliche Lebenserwartung männlicher Kinder bei der Geburt verglichen: 61,3 Jahre in der Ukraine stehen einer Lebenserwartung von durchschnittlich 75,5 Jahren für einen deutschen Jungen gegenüber.

Junge Männer in der Ukraine sind gefährdeter als junge Frauen. Mit 14 bis 16 Jahren liegt ihre Sterblichkeit bereits um 50% über der gleichaltriger Mädchen, steigt mit 17 bereits über 300 % und erreicht ihren Höhepunkt mit 21 Jahren, wenn die Sterblichkeitsrate junger Männer viereinhalbmal höher liegt als bei gleichaltrigen Frauen.

Diese jungen Männer sterben durch Krankheiten, Gewaltverbrechen oder in Folge von Drogensucht, aber selbst die Zahl der Selbstmorde liegt bei jungen Männern über den Zahlen der jungen Frauen: Von 17.949 Jugendlichen im Alter von 15 bis 29 Jahren, die im Jahr 2002 starben, haben 2083 oder 11,4% Selbstmord begangen, davon zu 88% junge Männer.

Bildungssystem

Das Bildungssystem der Ukraine hat sich seit Beginn der Unabhängigkeit allmählich verändert und sich dabei zunehmend an Westeuropa orientiert. Die zehnklassige Schule sowjetischen Typs wurde abgelöst durch ein zwölfklassiges System mit einer vierjährigen Eingangsstufe. Der Unteriaht ist auch weiter geprägt durch Frontalunterricht. Disziplin und Fleiß spielen in der Schule eine große Rolle. Die mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildung hat ein hohes Niveau und viele Ukrainer/-innen sind stolz auf das hier erreichte. In anderen Fächern, wie etwa den Sprachen, ist die Qualität stark schwankend.

Die berufliche Qualifizierung in Fachschulen wird heute längst nicht mehr in dem Umfang gewährleistet, wie es nötig wäre, um den Nachwuchs an qualifizierten Facharbeiter/-innen zu gewährleisten. Von 1991 bis 1999 sank die Zahl der Schüler/-innen an Berufsschulen um 138.000 Personen. Im Jahr 1999 wurden an 989 weiterführenden Einrichtungen zur beruflichen Bildung nur noch 525.000 Schüler/-innen unterrichtet, sowie 21.000 Personen, die durch die Arbeitsämter dorthin vermittelt wurden.

Die Hochschulbildung ist in der Ukraine prinzipiell kostenlos, die Hochschulen haben aber die Möglichkeit, Gebühren zu erheben. In den 90er Jahren wurde ein Akkreditierungssystem eingeführt. Staatliche wie private Hochschulen bewerben sich bei einer staatlichen Kommission um die Akkreditierung auf einer von vier Stufen. Wenn sie die jeweiligen Anforderungen erfüllen und akkreditiert werden, erhalten sie eine festgelegt staatliche Unterstützung. Diese Unterstützung steht staatlichen wie privaten Universitäten zu.

Zwar ist im Hochschulgesetz ein Mindestlohn für Hochschuldozenten festgelegt, in der Praxis bietet der aber keine ausreichende Finanzierung. Die Konsequenz dieser finanziellen Knappheit: Viele Hochschullehrer/-innen müssen sich privat noch etwas dazu verdienen, etwa durch Nachhilfe oder eine private wirtschaftliche Tätigkeit, durch Arbeitsaufenthalte im Ausland oder durch die Annahme von Bestechungsgeld von Studierenden – alles Varianten, die die Qualität der Lehre beeinträchtigen.

Student/-innen haben gleichfalls mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen. Zwar gibt es staatliche Stipendien, diese reichen jedoch zum Leben nicht aus und erfordern in der Regel eine Unterstützung durch die Familie. So kommt es, dass ein Großteil der Studierenden weiter zuhause wohnt, von den Eltern mitversorgt wird und sich um einen zügigen Studienabschluss bemüht. Ohne die Unterstützung dagegen ist ein Studium kaum zu schaffen.

Beruf und Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen

Beim Thema Beruf ist als erstes das Problem der Jugendarbeitslosigkeit zu benennen.

Unter den gemeldeten Arbeitslosen bilden Jugendliche seit Jahren ca. ein Drittel, Frauen stellen zwei Drittel. Je ein Drittel aller Arbeitslosen verfügt über einen Hochschulabschluss bzw. hat eine Berufsschule abgeschlossen.

Die Daten zum Thema Beschäftigung und Arbeitslosigkeit unterschieden sich je nachdem, ob Arbeitslosigkeitsmeldungen gezählt oder stichprobenartige Untersuchungen durchgeführt werden bzw. in Abhängigkeit von der Systematik, die einer konkreten Untersuchung zugrundegelegt wird.

Die tatsächliche Arbeitslosigkeit scheint bei Jugendlichen unter 20 Jahren in städtischen Gegenden besonders hoch zu sein. Das liegt auch daran, dass die Landwirtschaft auf den Dörfern zumindest stundenweise Beschäftigung bietet, wodurch die Jugendlichen auf dem Lande dann schneller als nicht arbeitslos gelten.

In der Politik gilt berufliche Qualifizierung als zentrale Voraussetzung, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten, und wird durch entsprechende Maßnahmen gefördert. Unabhängig vom Ausbildungslevel ist jedoch die Jugendarbeitslosigkeit auf jeder Qualifikationsstufe höher als im Durchschnitt der Bevölkerung.

Freizeitverhalten Jugendlicher

Die beliebteste Freizeitbeschäftigung ukrainischer Jugendlicher ist das Fernsehen. Drei Viertel aller befragten Jugendlichen gaben an, an Werktagen 2-4 Stunden und an Sonn- und Feiertagen 3-5 Stunden täglich fernzusehen. Immerhin ein Zehntel der Jugendlichen sieht werktags überhaupt nicht fern.

Junge Leute verbringen ihre Zeit gern gemeinsam mit ihren Freund/-innen, besuchen dazu aber kaum öffentliche Einrichtungen. Wenn sie ausgehen, dann noch am ehesten in die Disco oder den Nachtklub, wohin 43% mindestens einmal im Monat gehen. Noch 28% besuchen mindestens einmal monatlich eine Bibliothek, 19% treiben Sport in einem Fitnessklub oder einem Stadion und 11% bzw. 13% besuchen Sportveranstaltungen bzw. gehen in die Sauna oder ins Schwimmbad. Während ebenfalls 13% ins Kino gehen, werden Konzerte nur von 10% und Theateraufführungen nur von 6% der Jugendlichen besucht.

Kulturelle Angebote für Jugendliche wurden in der Sowjetunion zentral organisiert. Die damit verbundene Infrastruktur, von den Jugendklubs über Sportstätten bis hin zu großen "Pionierpalästen" in den Großstädten, brach nach der Unabhängigkeit weitgehend zusammen und konnte bis heute gerade in ländlichen Gegenden nicht ersetzt werden. Seit den 90er Jahren werden in der Ukraine neue staatliche Jugendstrukturen aufgebaut, die einerseits nicht-staatliche Jugendorganisationen einbeziehen sollen, andererseits selbst Freizeitangebote machen.

Während parteipolitisches Engagement unter den Aktivitäten der ukrainischen Jugendlichen kaum eine Bedeutung hat, ist mittlerweile eine Vielzahl von Jugendverbänden und –initiativen entstanden, die teils nur auf lokaler Ebene aktiv sind, sich teils aber landesweit organisiert haben. Im Ukrainischen Nationalkomitee der Jugend- und Kinderorganisationen sind religiöse, politische, kulturelle, berufsbezogene, ökologischen und andere Organisationen zusammengeschlossen.

Allgemeiner Hintergrund zum Land

Die Ukraine ist das zweitgrößte Land Europas (nach Russland) mit einer Fläche von 603,700 q²km. Im Vergleich: die Fläche Deutschlands beträgt 356,9 q²km. Mit 48,2 Millionen Einwohner/-innen und einer Bevölkerungsdichte von ca. 81 Bewohner/-innen je Quadratkilometer ist das Land eher dünn besiedelt, in Deutschland vergleichbar etwa mit Mecklenburg-Vorpommern.

Die Ukraine ist seit dem 24. August 1991 ein unabhängiger Staat. Nach Russland war die Ukraine die bedeutendste Republik der Sowjetunion, sowohl in strategischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Bedeutend sind sowohl die Landwirtschaft (die Ukraine galt ihrer fruchtbaren Böden wegen als Kornkammer Russlands) als auch die Schwerindustrie, mit Rüstungsindustrie, Flugzeug- und Maschinenbau, Eisenverhüttung und Kohlebergbau.

Während die Landwirtschaft eher in der Westukraine und im Zentrum betrieben wird, gilt besonders der Osten als industrielles Zentrum.

Ca. 77,8 % der ukrainischen Bevölkerung zählen im Jahr 2001 zur Gruppe der ethnischen Ukrainer, 17,3% zu den Russen. Hinzu kommen verschiedene nationale Minderheiten, die jeweils insgesamt weniger als 1 % der Bevölkerung ausmachen, wie Belarussen (0,6%), Moldawier (0,5%), Krimtataren (0,5%), Bulgaren (0,4%), Ungarn (0,3%), Rumäner (0,3%), Polen (0,3%) und Juden (0,2%).

Während sich in der Westukraine der ukrainische Bevölkerungsteil den 100% nähert, leben auf der Krim zu über 60% Russ/-innen sowie eine wachsende Gruppe von Tartar/-innen. Im Osten der Ukraine, insbesondere in den Städten, ist der russische Bevölkerungsanteil mit 33% bis 45% ebenfalls sehr hoch.

Die Sprache: Ukrainisch oder Russisch?

Die "Orangene Revolution" und die aktuelle Situation in der Ukraine lassen sich mit Blick auf den Zusammenhang von Sprache und Nationalität besser verstehen. Nicht zuletzt war schließlich einer der umstrittenen Punkte in der Präsidentenwahl von 2004 die Frage, ob Russisch zur zweiten Staatssprache erklärt würde.

Von der Zuordnung zu einer Nationalität zu unterscheiden ist die Sprache. Ukrainisch ist eine eigenständige Sprache und unterscheidet sich deutlich vom Russischen. Russisch als Verkehrssprache der Sowjetunion wurde jahrzehntelang gegenüber den nationalen Sprachen bevorzugt. Innerhalb der Sowjetunion war deshalb die Beherrschung der russischen Sprache unumgänglich.

Schon 1989, also bereits Jahre vor der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine, wurde ein Sprachengesetz verabschiedet, das die ukrainische Sprache zum 1.1.1990 zur alleinigen Staatssprache aufwertete, während Russisch zur Minderheitensprache abgewertet wurde, die allerdings unter besonderem staatlichen Schutz steht. Dabei erfolgte bis dahin der Unterricht an den Hochschulen beispielsweise fast ausnahmslos in russischer Sprache und an über 50 % der Schulen wurde auf Russisch unterrichtet. Das Gesetz sah die Umstellung der Verwaltung auf das Ukrainische vor, forderte aber auch die allmähliche Umstellung beispielsweise der Lehrbücher. Längst sind sämtliche Verwaltungsformulare auf Ukrainisch abgefasst und mittlerweile erscheint sogar ein Großteil der wissenschaftlichen Einführungen und Lehrbücher auf Ukrainisch.

Noch immer sprechen jedoch viele Menschen, die sich als Ukrainer/-innen bezeichnen, besser russisch als ukrainisch. Insgesamt ein Drittel der Staatsbürger/-innen der Ukraine sieht die russische Sprache als Muttersprache.